Ein Verbot der Kinderpornographie ist ja meiner Ansicht nach zu begrüßen, aber den Weg, den die Politik da einschlägt ist doch etwas lächerlich.
Internetseiten werden zumeist über Internetadressen erreicht. Eine Internetadresse (Domain) ist aber nur eine Vereinfachung, um sich nicht unbedingt eine komplizierte IP-Adresse merken zu müssen.
Damit das funktioniert, haben die Internetanbieter so genannte DNS-Server. Dort werden alle Internetadressen und ihre jeweilige IP-Adresse gespeichert. D.h. wenn man im Internetbrowser eine Adresse eingibt, fragt der Browser zuerst mal den DNS-Server, wo er eigentlich hin muss. Visuell bekommt man davon nichts mit.
Beispiel: Ein Besucher tippt http://www.politisches-forum.de im Browser ein. Der Browser fragt beim DNS-Server der Telekom, woher er die Daten zu dieser Seite bekommt. Der DNS-Server antwortet mit der korrekten Adresse. Der Browser selbst zeigt aber nur "http://www.politisches-forum.de wird geladen" an.
Nun zu unserem Gesetz, dass Kinderpornographie verbieten soll. Hier wird jetzt die Adresse http://www.bösekinderpornographieadresse.de gesperrt, damit sie keiner mehr aufmachen kann. D.h. der Internetanbieter setzt eine Weiterleitung in seinem DNS-Server ein, die beim Aufruf dieser Adresse dem Besucher klar macht: Da darfst Du nicht hin.
Was der Internetanbieter aber nicht verhindern kann ist, dass der Besucher einfach die IP-Adresse der Seite eingibt. Jetzt könnte man sagen: Ok sperren wir auch die. Da gibt es nur ein kleines Problem. Viele Internetseiten teilen sich eine IP-Adresse. Und selbst wenn man nun manuell die verschiedenen Unterseiten auf einer IP sperren würde, wäre es ja ein leichtes einfach die Unterseite bzw. die IP zu wechseln. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Protokollierung aller aufgerufenen IP-Adressen technisch zwar machbar, aber von den Kosten her kaum zu stemmen wäre. Jeder Internetzugriff müsse protokolliert und geprüft werden. Diese Datenmengen könnte man vermutlich nicht mal in einem gesamten Land hinterlegen, wenn man dieses voll mit Festplatten machen würde.
Weiterhin wäre es ein leichtes als deutscher Internetnutzer einfach über einen ausländischen Proxy-Server ins Internet zu gehen. D.h. ich umgehe den DNS-Server und nutze einfach den aus dem Ausland. Um das zu unterbinden müsste man Proxy-Server grundsätzlich mitverbieten. Selbst das wird in der Politik bereits diskutiert! Man will die Anonymität im Internet unmöglich machen. Ein klarer Eingriff in die Privatsphäre!
Es geht aber auch weit aus unkomplizierter. Arcor wurde vor nicht allzu langer Zeit mal dazu verpflichtet pornographische Seiten zu filtern. Die Internetgemeinschaft reagierte schnell und es verbreitete sich der einfachste Weg, diese Sperre zu umgehen: Man ändert einfach den DNS-Server in seiner Netzwerkkonfiguration
Beispiel: Normalerweise fragt der PC automatisch den DNS-Server des jeweiligen Internetanbieters an. Es steht einem aber frei stattdessen einen anderen DNS-Server einzurichten. z.B. einen aus den USA oder einem anderen Land. Theoretisch sogar aus China, aber wer will schon noch mehr Zensur
Fazit: Rein technisch gibt es KEINE Maßnahme, den Zugriff auf kinderpornographische Inhalte zu unterbinden. Wenn müsste man es wie China machen und das Internet auf Deutschland bzw. Europa reduzieren (die Lolita-Server stehen in aller Regel in weit abgelegenen Ländern, wo Geld mehr Macht hat, als Kinderbelange). Nur sowas würde niemand akzeptieren, da wir uns weder die Presse, noch das Internet zensieren lassen.
Wenn Dir die Beiträge zum Thema "Kinderpornoseiten (Lolita)" gefallen haben oder Du noch Fragen hast oder Ergänzungen machen möchtest, solltest Du Dich gleich bei uns anmelden:
Registrierte Mitglieder genießen die folgenden Vorteile: - kostenlose Mitgliedschaft - keine Werbung - direkter Austausch mit Gleichgesinnten - neue Fragen stellen oder Diskussionen starten - schnelle Hilfe bei Problemen - Bilder und Videos hochladen - und vieles mehr...